Blinddarmentzündung – häufige Fragen

  1. Übersicht:
  2. » Blinddarm-Op
  3. » Blinddarmentzündung & Fieber
  4. » Wann zum Arzt?
  5. » Blinddarmentzündung bei Kindern
  6. » Blinddarmentzündung im Alter

Ist eine Blinddarmentzündung immer mit einer Operation verbunden?

Eine akute Blinddarmentzündung wird für gewöhnlich so rasch wie möglich nach der Diagnosestellung operiert, um Komplikationen zu vermeiden. Ein abwartendes Verhalten mit konservativer Therapie wie Bettruhe, Nahrungskarenz und antibiotischer Behandlung ist theoretisch möglich, aber heute nicht mehr üblich. Denn das Risiko, eine Operation durchzuführen, obwohl gar keine Appendizitis vorliegt, ist deutlich niedriger als das Komplikationsrisiko einer akuten Appendizitis. Bricht der Blinddarm in die freie Bauchhöhle durch, liegt das Sterberisiko bei circa 1 %. Wohingegen das Sterberisiko bei einer unkomplizierten Appendektomie (Blinddarmentfernung) ohne Perforation der Appendix unter 0,001 % liegt. Die Operation kann offen chirurgisch (Wechselschnitt) oder minimal-invasiv laparoskopisch (Schlüssellochtechnik) durchgeführt werden.

Chronische Appendizitis operieren

Bei einer chronischen Appendizitis werden die ersten Schübe eher konservativ behandelt, aber bei immer wiederkehrenden Entzündungen wird der Chirurg auch hier zu einer operativen Entfernung der Appendix raten.

Hat man bei einer Appendizitis immer Fieber?

In der Medizin treffen nie alle charakteristischen Punkte einer Erkrankung auch auf alle Patienten zu. So haben bei einer Appendizitis auch nicht alle Betroffenen Fieber. Bei alten Menschen ist Fieber sogar eher ungewöhnlich als Symptom einer Blinddarmentzündung. Bei den anderen Patienten steigt das Fieber bis circa 39 Grad Celsius an und eine Temperaturdifferenz von einem Grad Celsius zwischen rektaler und axillärer Messung ist charakteristisch für eine Appendizitis.
Weitere Informationen finden Sie in unserem Menü-Unterpunkt “Blinddarmentzündung – Symptome”.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Eine Appendizitis beginnt typischerweise mit starken Bauchschmerzen, die von der Nabelgegend in den rechten Unterbauch wandern. Dies geschieht in den ersten Stunden der Erkrankung. Weitere Symptome wie Fieber, Erbrechen und Appetitlosigkeit folgen rasch. Einen Arzt sollte der Patient sofort aufsuchen, wenn er den Verdacht auf eine ernsthafte Erkrankung hegt. Spätestens der Ortswechsel des Schmerzes sollte den Betroffenen aufmerksam machen und zu einem Arztbesuch führen. Denn wenn die akute Appendizitis in den ersten 48 Stunden operiert wird, sind die wenigsten Komplikationen zu erwarten.

Blinddarmentzündung bei Kindern

Bei Kindern tritt eine Appendizitis besonders häufig auf, wobei die Symptome oft untypisch sind. Bei 38 % aller operativen Wurmfortsatzentfernungen sind die Betroffenen zwischen 5 und 19 Jahren alt. Kleinkinder erkranken nicht so häufig an einer Appendizitis. Sind sie aber doch betroffen, sind sie besonders gefährdet, da bei ihnen der Verlauf oft untypisch ist und die Symptome geringer ausfallen. Der Weg zur Diagnose ist damit länger und das Risiko für einen Blinddarmdurchbruch steigt. In der Gruppe der Kinder, die älter als zwei Jahre sind, ist die Appendizitis die Hauptursache für das Krankheitsbild des akuten Abdomens.

Tipps für Eltern

Für die Eltern kann es schwierig sein, die Dringlichkeit der Bauchschmerzen ihres Kindes richtig einzuschätzen. Eine Faustregel lautet, dass ein Kind mit einer Appendizitis nicht schlafen kann. Die Schmerzen beeinträchtigen den kleinen Betroffenen zu sehr und er hält somit auch die Eltern wach. Ein guter Test für zu Hause ist außerdem die Erschütterungsprobe. Kann das Kind noch gut auf einem Bein hüpfen oder von einem Stuhl springen, liegt eher keine akute Appendizitis vor. Die Erschütterung von entzündeter Appendix und gereiztem Bauchfell würde das Kind sonst nicht tolerieren. In jedem Fall ist es wichtig, Bauchschmerzen bei Kindern vom Kinderarzt abklären zu lassen. Es können außer einer Appendizitis auch andere ernst zu nehmende Erkrankungen dahinter stecken.

Appendizitis in der Schwangerschaft

Eine weitere besondere Situation ist die Schwangerschaft. In dieser Zeit verändert sich die Stoffwechselsituation der werdenden Mutter und auch die anatomischen Verhältnisse unterscheiden sich von nicht schwangeren Betroffenen. Die Gebärmutter füllt mit zunehmender Schwangerschaft den gesamten Bauchraum aus und verdrängt die anderen Bauchorgane. Die Appendix wird nach oben verschoben und damit tritt auch der Schmerz bei einer Appendizitis an einer untypischen Stelle auf. Es ist in erster Linie wichtig, an die Blinddarmentzündung als Differenzialdiagnose überhaupt zu denken, wenn eine schwangere Betroffene über rechtsseitige Oberbauchschmerzen klagt.

Appendektomie in der Schwangerschaft

Erhärtet sich der Verdacht auf eine Appendizitis, kann, beziehungsweise muss auch in der Schwangerschaft eine Operation erfolgen. In den meisten Fällen übersteht der Fetus (das ungeborene Kind) die Appendektomie unbeschadet, da er in der Gebärmutter geschützt ist. Die Narkose wird der Schwangerschaft entsprechend angepasst. Die Indikation zur Operation wird eher großzügig gestellt, da die Perforationsrate besonders im letzten Drittel der Schwangerschaft deutlich erhöht ist. Liegt ein Blinddarmdurchbruch vor, wird eine Entbindung per Kaiserschnitt vor der Entfernung des Wurmfortsatzes empfohlen, denn in diesem Zusammenhang besteht ein hohes Risiko von 17 %, den Fetus bei der Operation zu verlieren. Die vorzeitige Entbindung wird natürlich nur bei entsprechender Reife des ungeborenen Kindes in Erwägung gezogen.

Blinddarmentzündung im Alter

Die sogenannte Altersappendizitis verläuft deutlich milder und untypisch im Vergleich zu den Symptomen jüngerer Patienten. Fieber ist oft nicht vorhanden und die Schmerzen beeinträchtigen die Patienten wenig. Die richtige Diagnose zu stellen, gestaltet sich schwierig für den betreuenden Arzt. Da die Appendizitis im Alter aus diesen Gründen häufig verschleppt wird, ist auch die Komplikationsrate im Alter höher. Besonders die Gefahr für einen Durchbruch des Blinddarmes steigt mit dem Lebensalter. Bei älteren Patienten müssen die Symptome daher besonders sorgfältig abgeklärt werden. Eine Operation erfolgt meist rasch, da der Verlauf bei Diagnosestellung in der Regel schon weit fortgeschritten ist.