Blinddarmentzündung – Schmerzen im rechten Bauchraum

Was ist eine Blinddarmentzündung?

Bauchschmerzen 2Eine Blinddarmentzündung wird in der Medizin auch Appendizitis genannt. Genauer gesagt handelt es sich hierbei um eine Entzündung des Wurmfortsatzes (Appendix vermiformis) des Blinddarms. Die deutsche Bezeichnung Blinddarmentzündung ist daher nicht ganz richtig. Der eigentliche Blinddarm stellt den Anfang des Dickdarms im Anschluss an den Dünndarm dar und befindet sich im rechten Unterbauch. Eine Entzündung der Appendix entsteht meist infektiös, durch Bakterien, die sich im Darm befinden. Als Beispiel können E. coli, Proteus und Enterokokken genannt werden. Selten wandern Bakterien auch über den Blutweg ein. Würmer sind eine weitere mögliche Infektionsursache. Faktoren, die eine Appendizitis begünstigen sind Stauung, Verlegung oder Verengung des Darmes, Abknicken der Appendix, Narbenentwicklung oder Kotsteine.

Weitere Informationen unter Blinddarmentzündung – Ursachen und Stadien.

Verlauf einer Appendizitis

Eine Blinddarmentzündung kann sehr unterschiedlich verlaufen. Beginnend mit einer leichten Reizung setzt sich das Krankheitsbild als schwere lokale Entzündung fort und kann sich bis zu einem Durchbruch (Perforation) in die Bauchhöhle entwickeln. Ein Blinddarmdurchbruch führt in den meisten Fällen zu einer ernsten Bauchfellentzündung und kann im schlimmsten Fall tödlich enden. Das Sterberisiko liegt hier bei ungefähr einem Prozent. Geht der Patient aber rechtzeitig zum Arzt und erfolgt die Diagnose zeitnah, wie es in Deutschland in der Regel der Fall ist, ist die Prognose gut.

Therapie und Sterberisiko

Die sicherste Therapie einer akuten Appendizitis ist die Appendektomie, also die chirurgische Entfernung der Appendix. Diese kann offen oder endoskopisch geschehen. Das Sterberisiko liegt bei diesem unkomplizierten, ca. 20-minütigen Eingriff unter 0,001 Prozent.

Weitere Informationen unter Blinddarmentzündung – Diagnose, Therapie & Folgen.

Symptome einer Blinddarmentzündung

Eine Appendizitis beginnt typischerweise akut, also ganz plötzlich, mit Schmerzen im Oberbauch oder in der Nabelgegend. Der Schmerz wandert innerhalb von wenigen Stunden deutlich merkbar in den rechten Unterbauch und verstärkt sich bei Bewegung. Es entsteht das klinische Bild eines akuten Abdomens, welches Druckschmerz, Loslassschmerz, Abwehrspannung und eine Erhöhung der weißen Blutkörperchen (Leukozyten) im Blutbild umfasst. Besonders Erschütterung wie beim Hüpfen ist schmerzhaft für die Betroffenen. Begleitende Symptome sind zum Beispiel Übelkeit, Erbrechen, Verstopfung und ein aufgeblähter Bauch. Auch Appetitlosigkeit kann auftreten.

Temperaturdifferenz als bekanntes Symptom

Ist das Krankheitsbild schon fortgeschritten, verschlechtert sich der Allgemeinzustand des Betroffenen zusehends und das anfänglich leichte Fieber steigt. Eine Temperaturdifferenz von über einem Grad Celsius zwischen rektaler und axillärer Messung ist ebenfalls ein Anzeichen für eine Appendizitis. Der ausgeprägte Schmerz ist für gewöhnlich das erste Symptom, noch bevor begleitende Anzeichen auftreten. Zu beachten ist, dass der Wurmfortsatz eine ungewöhnliche Lage haben kann und somit die Schmerzen anders lokalisiert sind, als zu erwarten.

Näheres unter Blinddarmentzündung – Symptome.

Formen einer Blinddarmentzündung

Bei einer Appendizitis werden je nach Verlauf zwei Formen unterschieden. Weitaus häufiger kommt die akute Blinddarmentzündung mit schnellem Beginn und Verlauf vor. Seltener tritt die chronische Verlaufsform auf, mit schleichendem Beginn und kaum wahrnehmbaren Symptomen (subklinischer Verlauf).

Akute Blinddarmentzündung

Eine typische akute Appendizitis kann in mehrere Stadien eingeteilt werden. Das erste Stadium wird katarrhalisches Stadium genannt und zeichnet sich durch eine schmerzhaft geschwollene und gerötete Appendix aus. Eiter ist noch nicht entstanden und eine komplette Heilung ohne Vernarbung ist möglich. Die Schwellung reduziert die Durchblutung und die Sauerstoffversorgung des Gewebes wird zunehmend schlechter. Nach bis zu 24 Stunden folgt das seropurulente Stadium, in dem die Eiterbildung vorbereitet wird und das den Übergang zum dritten Stadium darstellt. Die Bakterien vermehren sich im gestauten Sekret des Wurmfortsatzes exponentiell.

Weiterführende Stadien

Das dritte Stadium heißt destruktives (zerstörendes) Stadium und führt über die Bildung von Schleimhautgeschwüren und Eiter zum langsamen Absterben der Appendix. Die Bakterien haben die Schleimhautbarriere überwunden und breiten sich rasch aus. Als nächsten Schritt infizieren sie das der Appendix anliegende Bauchfell (Peritoneum). Eine weitere Ausbreitung im gesamten Bauchfell (Peritonitis) ist die unmittelbare Gefahr. Das untergehende Gewebe der Appendix wird medizinisch als Gangrän bezeichnet.

Chronische Blinddarmentzündung

Von einer chronischen Appendizitis wird gesprochen, wenn mehrere Schübe einer Entzündung hintereinander ablaufen, ohne starke Symptome zu verursachen. Die Entzündung bildet sich spontan zurück, ohne dass eine Behandlung erfolgt. Durch den länger andauernden Entzündungsprozess entstehen Narben, die den Wurmfortsatz verengen oder sogar vollständig verschließen können. Auch innere Verwachsungen entstehen möglicherweise. Aufgrund der nur schwach ausgeprägten Schmerzen und Begleitsymptome ist die Diagnosestellung erschwert.

Häufigkeit & Vorkommen

Jeder Mensch hat ein Risiko von sieben bis acht Prozent in seinem Leben an einer Blinddarmentzündung zu erkranken. Im Jahr tritt die Appendizitis bei 110 bis 200 von 100.000 Personen auf. Sie ist die Erkrankung, die am häufigsten ein akutes Abdomen verursacht. In Deutschland erfolgen im Jahr durchschnittlich 127.000 Operationen, um den Blinddarm bzw. die Appendix zu entfernen (Appendektomie). 38 Prozent der Patienten sind Kinder und Jugendliche in einer Altersspanne von 5 bis 19 Jahren. 58 Prozent sind Patienten zwischen 5 und 29 Jahren. Die Blinddarmentzündung ist eine Erkrankung des jüngeren Lebensalters. Kleinkinder wiederum erkranken nicht so häufig, sind aber einer größeren Gefahr ausgesetzt, da eine Appendizitis bei ihnen oft untypisch verläuft und schwer zu diagnostizieren ist. Diese Problematik wird bei älteren Patienten ähnlich beobachtet. Hier wird von einer Altersappendizitis gesprochen.

Weitere Informationen unter Blinddarmentzündung – FAQ.

 

Quellen: Jauch, Mutschler, Hoffmann, Kanz: Chirurgie Basisweiterbildung, Heidelberg, Springer Verlag, 2013
Illing, Claßen: Klinikleitfaden Pädiatrie, München, Urban & Fischer, 2009
http://www.wikipedia.de/Appendizitis